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Manuel und David – ein munteres Gespann

 

Zwei kleine blonde Jungen kommen auf den Hof gesaust und laufen Kerstin jauchzend entgegen. Ihre Mutter kommt etwas langsamer hinterher und begrüßt Kerstin freundlich, aber nicht ganz so stürmisch wie ihre beiden Jungs. Der sechsjährige Manuel und der dreijährige David freuen sich schon ganz arg auf ihre Reitstunde mit Vorbodi. Auch der Islandwallach, der in der Box wartet, wird freudig begrüßt und eifrig getätschelt. Normalerweise wohnt Vorbodi im Offenstall, aber auf Manuel und David wartet er heute in der Box, wo keine anderen Pferde im Weg sind.   

 

Gemeinsam bringen Kerstin und die Jungen Vorbodi zum Anbindeplatz. Manuel darf ihn putzen und striegeln und auch David darf ein wenig mithelfen. Manuel lässt sich von den Geräuschen und Bewegungen auf dem Hof leicht ablenken. Da führt jemand sein Pferd vorbei, die Hufe klappern auf dem Pflaster. Dort fährt ein Traktor auf dem Reitplatz umher und recht den Sand wieder glatt. Ganz schön schwierig, sich bei so aufregenden Sachen auf das Putzen zu konzentrieren! Und am Pferdepopo bewegt sich zudem immer noch der Schweif, das muss man doch auch mal untersuchen!

 

Jetzt kommen die Hufe an die Reihe. Da hilft Kerstin ein bisschen mit, denn wenn man so klein ist, dass man fast unter dem Pferdebauch hindurchspazieren kann, ist es nicht leicht, so ein schweres Pferdebein auch festzuhalten. „Welche Nummer darf David auskratzen?“ fragt Kerstin. Denn beim Auskratzen zählt Manuel die Hufe, um keinen zu vergessen. „Da!“ sagt Manuel und zeigt auf den linken Vorderhuf. „Nummer Vier, okay!“ meint Kerstin. Doch Manuel verliert schon bei Nummer Drei die Lust, denn da ist wieder der Schweif, der doch viel interessanter ist und auch mal angefasst werden muss. Doch es hilft nichts, alle Hufe müssen ausgekratzt werden und Nummer Drei ist noch seine Aufgabe.

 

Jetzt kann Kerstin den Gurt auflegen und Manuel hilft beim Zumachen. Endlich kann es losgehen! David geht mit der Peitsche voraus und Manuel darf auf Vorbodi zum Zirkel reiten. Mama kommt auch mit und schaut ihren Jungen zu.

 

Im Zirkel darf David in die Mitte zu Kerstin kommen. „Wir machen jetzt ein Spiel.“ Erklärt sie. „Du darfst Bewegungen vormachen und Manuel macht sie nach.“ Gemeinsam denken sich Kerstin und David etwas aus. David bewegt seine Arme auf und ab wie ein Schmetterling und Manuel macht es nach. „Schmetterling!“ ruft er vergnügt. Das ist doch einfach! Manche Dinge sind aber auch verflixt schwer, wie zum Beispiel die Arme zu überkreuzen und dabei dann auch noch auf die Beine zu legen.

Irgendwann verlangt Manuel: „Schneller!“ und Kerstin lässt Vorbodi antraben. Manuel lacht, das macht Spaß! Kerstin pariert Vorbodi wieder durch. Jetzt soll Manuel sich etwas überlegen und David macht es nach. „Fällt dir noch ein Tier mit vier Beinen ein, das hier auf dem Hof herum läuft?“ fragt ihn Kerstin. „Außer den Pferden.“ Sie meint die Hunde. Manuel überlegt, dann erhellt sich sein Gesicht. „Traktor!“ ruft er begeistert. Denn der bewegt sich ja schließlich auch und hat sogar vier Räder. Zum Schluss fällt ihm aber doch noch ein Tier ein: „Kuh!“ Mit seinen Fingern deutet er Hörner an.

 

Bei der nächsten Runde sieht er mich etwas in meinen Notizblock schreiben. „Was schreibst du da?“ will er wissen. „Eine Geschichte.“ erklärt Kerstin. „Eine Geschichte über Schmetterlinge und Hörner.“

 

Jetzt darf David endlich auch mit aufs Pferd. Er sitzt hinter Manuel und hält sich an seinem Pullover fest. Ein paar Runden dreht Vorbodi mit den beiden, die Sonne scheint auf das blonde Kinderhaar und das braune Pferdefell.

 

Zurück zum Anbindeplatz darf David alleine reiten. Nachdem Kerstin Vorbodi Gurt und Trense abgenommen und das Halfter mit dem Führstrick angelegt hat, dürfen Manuel und David ihn ganz alleine in die Box führen. Beide fassen den Strick an und Vorbodi trottet brav hinter ihnen her. In der Box verabschieden sich die zwei Blondschöpfe von ihm, streicheln ihn, winken ihm zu und rufen: „Tschüss, Vorbodi!“ Dann geben sie auch Kerstin die Hand und die heutige Reitstunde ist vorbei.

 

 

 

Hintergrund

 

Manuel ist zum Zeitpunkt dieser Beobachtung knapp sechs Jahre alt, aber kaum größer als sein dreijähriger Bruder David. Er hat das Down-Syndrom.

 

Das Reiten soll ihm helfen, Bewegungserfahrungen zu sammeln, Handlungsabläufe kennen- und ausführen zu lernen und einfach einmal der „große Bruder“ sein zu dürfen, der etwas besser kann.
Zum Lebewesen Pferd baut er eine emotionale Bindung auf und lernt dabei, sich auf die Bedürfnisse seines Gegenübers einzustellen.

 

Bei allen Handlungen rund ums Pferd und Reiten findet gleichzeitig auch kognitive Förderung statt: Manuel lernt zum Beispiel neue Wörter und vertieft seinen bereits bekannten Wortschatz.
Und natürlich soll das Reiten vor allem Spaß machen!

 

Von Astrid Hoffmann

 

Ein Jahr später sind die beiden schon sehr routinierte Reiter: